Flugschule Hans Grade

Reisebericht Casablanca 2004 (5)

5. Tag - Freitag, 20.08.04

1. Tagesetappe 385,2 NM
GMMC (Casablanca) LEAM (Almeria)

In Casablanca aufwachen – einfach super!
Nach einem tollen Frühstück wollen wir noch einen halben Tag in Casablanca verbringen. Sightseeing und Shopping ist angesagt –
die große, am Meer gelegene Moschee ist erstes Ziel. Leider ist Freitag – die Freitagsgebete und der Feiertag lassen eine Besichtigung im Innern nicht zu, aber der Blick von außen, die Lage der angeblich weltgrößten Moschee unmittelbar an der Küste und die Menschen sind auch sehr interessant. Der große Markt zieht uns ebenfalls in seinen Bann, zwar noch nicht klassisch orientalisch, aber wir tauchen total ein.
Die Jagd nach Souvenirs und anderer diverser Mitbringsel wird erfolgreich erledigt. Für uns alle besonders wichtig: Wir wollen Original Casablanca Bier mit nach Hause nehmen, um uns die Erinnerungen auch noch später „in den Kopf steigen zu lassen.“
Lutz und Horst in der ETTA haben von nun an die ehrenvolle Aufgabe, dieses wertvolle Transportgut pfleglich zu behandeln, also ab jetzt sind „Samtlandungen“ angesagt.

Um 12.00 Uhr treffen wir uns alle in der Hotellobby. Die Stimmung ist aufgeräumt, wir freuen uns auf die nächste Etappe, geht es doch zurück nach Almeria – ein Ort, mit dem wir nur gute Erinnerungen verbinden.
Am Flughafen angekommen sind Passkontrolle, Zoll und sonstige Formalitäten völlig problemlos – zwischenzeitlich ist uns auch das arbeitsteilige Arbeiten und Vorbereiten in Fleisch und Blut übergegangen.
Wetter, Durchführungsplanung, Flugplan und Ausreiseformulare werden gerecht aufgeteilt.
Regina ist dran, die Betankung der Flugzeuge zu organisieren und sieht sich sechs wilden Hunden gegenüber, die im Schatten der Tragflächen unserer Flieger dösen. Mit „Hundeflüstererblick“ erreicht sie, das sich die Tiere nicht in sie verbeißen, sondern gelangweilt von dannen ziehen.
Aber so völlig normal sollte unser Abflug von Casablanca doch nicht verlaufen – der Tankwagen kommt und hat für uns angeblich nur wieder 120 Liter Avgas, trotz anderer Zusage vom Vortag, aber das war ein anderer Tankwart, usw., usw.,

Regina´s Argumente überzeugen den Tankwart dann doch, wir bekommen alle Sprit, können unsere Tanks wie gewohnt füllen und heben ab, nachdem das zuerst anrollende Flugzeug die Hunde von der Piste gescheucht hatte.

Es geht denselben Weg zurück – terrestrische Navigation Richtung Tanger VOR, abfliegen der Meldepunkte wie beim Hinflug (allerdings wollte Lutz zwischendurch ausscheren – er meldete Tiflis statt Tiflet, was von allen anderen Piloten sofort korrigiert wurde – das Casablanca Bier sollte doch sicher mit nach Deutschland.)

Unsere uns schon bekannte Controllerin von Tanger Approach strapazierte uns erneut, immer verbunden mit dem ausdrücklichen Hinweis: Do not fly over Tanger!
Das hatten wir auch gar nicht vor, wollten wir doch nach dem letzten Pflichtmeldepunkt auf Nordostkurs Richtung Spanien gehen – also Schwimmwesten festziehen, Triebwerke besonders beobachten und schon waren wir über Wasser. Gibraltar liegt links von uns in der Sonne und die spanische Küste erwartet unsere Rückkehr.
Malaga Approach ist dieses mal ansprechbar, wir haben aber das Gefühl, dass sie die D- Flieger Formation schnell wieder loswerden möchten – dies kommt uns sehr gelegen, können wir doch mit einem Midfieldcrossing den kürzesten Weg über Malaga nehmen.
Es geht Richtung Almeria – wir sind irgendwie voller Vorfreude. Im Funk ist heute deutlich mehr Betrieb als an den vorherigen Tagen – die Condor, Hapag Lloyd, Ryan Air, Air Berlin und andere Carrier schaufeln Pauschalurlauber in die Bettenburgen der Costa del Sol.

Almeria ist schnell erreicht, alle Flieger finden den rechten Gegenanflug, die AD bekommt den gewünschten simulierten ILS Approach, allerdings ohne Vectoren, genehmigt und wir freuen denken an das Hotel am Hafen, dass uns vorher empfohlen worden war. Ganz so schnell geht´s dann doch nicht, wir tanken in zwei Etappen, der Follow Me kommt nicht, so dass wir nach zwei Stunden mit vollem Gepäck vom Abstellplatz zum Terminal laufen müssen. Der Magen hängt uns in den Kniekehlen, haben wir doch das Mittagessen, wie fast täglich, übergangen.
Dadurch sind auch Dialoge, wie dieser zur erklären:

Wolf an Horst
Sag´ mir doch ´mal, was ich da oben geschrieben habe.

Antwort Horst
Wenn ich nicht bald ein Bier bekomme, kann ich gar nicht mehr denken.

Zwischenzeitlich ist es 21.00 Uhr und nach einem herrlichen Sonnenuntergang stockduster – unsere Hotelempfehlung klappt nicht, das Hotel ist voll. Die Hotelinformation am Flughafen ist nicht mehr besetzt – unsere Reiseleiterin beginnt zu rotieren. Mit freundlicher Unterstützung der Mitarbeiterin einer renommierten Autovermietung gelingt es nach vielen Fehlversuchen im Hotel Vincci, zwar nicht am Strand aber in der Innenstadt, noch zwei Doppelzimmer und zwei Suiten, jeweils mit einer Schlafcouch zusätzlich, zu buchen. Wir fahren sofort los, die neue Zimmeraufteilung erfolgt vor Ort und dann geht´s ins Hotelrestaurant. Es ist bereits 22.40 Uhr und die Küche schließt um 23.00 Uhr. Wir bestellen Aperitif, Hauptgang, Nachspeise und Digestif komplett – bietet es doch die Gewähr, auch nach 23.00 Uhr noch etwas zu essen und trinken zu erhalten.
Alles klappt, auch die Mienen der Servicekräfte, die sich schon auf einen pünktlichen Feierabend gefreut hatten, hellen sich merklich auf und lassen sich von unserer guten Laune anstecken.
Wir fallen müde und glücklich ins Bett.