Flugschule Hans Grade

Reisebericht Casablanca 2004 (4)

4. Tag - Donnerstag, 19.08.04

1. Tagesetappe 194,4 NM
GMTT (Tanger) GMMC (Casablanca)

Casablanca – heute kommen wir wirklich.
Ein spartanisches Frühstück überzeugt uns nicht besonders und so finden wir uns alle schnell am Pool unter einer Palme ein. Wir sind jetzt wirklich voller gespannter Erwartung. Um 11.00 Uhr geht’s los. Am Flughafen treffen wir als erstes den Towerchef, der uns am Vorabend nach Tanger gelotst hatte. Er erklärt uns die Route nach Casablanca, die von unseren Planungen leicht abweicht – besondere Pflichtmeldepunkte und Beschränkungsgebiete sind zu beachten – unsere aktuelle Marokkokarte hatte diese nicht verzeichnet, also teilen wir uns wieder in bewährter Form auf: einige versorgen die Flugzeuge (der Spritvorrat ist mal wieder nach dem 3.Flugzeug alle), andere planen, Regina besorgt Essen, Getränke und Filme.
Klassische, terrestrische Navigation kommt auf uns zu. Das Wetter ist passabel, aber der Meteorologe stellt unsere Geduld auf eine harte Probe, arabische Lebensart?

Endlich sind wir komplett fertig und wollen los – doch dann die Hiobsbotschaft:
In Tanger gibt es nur insgesamt 200 Liter Avgas und in Casablanca vermutlich gar keins!!
Der Schock sitzt tief, aber unser netter Towerchef telefoniert und letztendlich ist alles klar. Seit dem 13.08.04 gibt es in Casablanca wieder AVGAS und für uns sei genug da.
Zügig wird jetzt er Flugplan aufgegeben und auf geht´s.
In Tanger auf der 28 2 5 nm auf´s Meer, dann an die Küste zurück – Tiflet point, Ibdir point, usw. werden abgeflogen und gemeldet. Tanger Approach gibt uns weiter an Casablanca Approach. Die Verständigung ist gut. Ab und zu drücken uns die Wolken ein wenig, aber dann wird´s frei. Casablanca liegt vor uns, leicht verdeckt durch große, schwarze Rauchschwaden eines Feuers.
Die ETTA, angeblich das langsamste Flugzeug unserer Formation, landet zuerst, aber nicht ohne die Bezeichnung der vor ihr liegenden RW03 in Frage zu stellen. Der Frosch ist happy und die gesamte Crew auch – wir haben es tatsächlich geschafft!
Ein richtig schönes Gefühl!!

Die Fotoapparate klicken, Gruppenfoto – Gruppenfoto mit Dame – Gruppenfoto mit Frosch –
Dame mit Frosch (Schau´ mir in die Augen, Kleines!) und wir freuen uns auf Rick´s Cafe.
(Später müssen wir allerdings erfahren, dass es das in Casablanca gar nicht gibt – unsere Enttäuschung hält sich dennoch in Grenzen).

Dieses mal werden Petit-Taxis organisiert. Die Polizisten achten peinlich genau darauf, dass nur max. drei Personen im Taxi befördert werden, was zunächst Unverständnis hervorruft, brauchen wir dadurch doch vier statt üblicherweise drei Taxis. Später sind wir mit dieser Maßnahme doch ganz zufrieden, weil einige Motoren, Getriebe und Kupplungen bei schwererer Last wahrscheinlich den Geist aufgegeben hätten. Außerdem sind die Fahrten so halsbrecherisch, dass das Unfallrisiko dadurch auf viele weitere Schultern verteilt wurde.
Unser Ziel ist das Holiday Inn Crown Plaza – wir haben es uns jetzt verdient. Mit Dachterrasse, Pool und einen Superausblick auf Casablanca.
Das erste Casablanca Bier nebst Zigarillo über den Dächern von Casablanca in der Abendsonne – herrlich.
Einige springen in den Pool, aber bald geht es los in ein gutes, marokkanische Restaurant, empfohlen von unserem Concierge.

Dass es La Bodega heißt, stört uns jetzt noch nicht besonders, soll es doch hinter der großen Markthalle, also mitten in der Altstadt, liegen. Die Navigation, jetzt ebenerdig und fußläufig, klappt auf Anhieb. Hingelaufen und retour, der normale Marokkaner hält uns für verrückt, springen wir doch ständig vor den Autos in Sicherheit – die einzig wirkliche gefährliche Situation während unserer gesamten Reise.
Der Rückweg ist, nach einem mehr spanischen denn marokkanische Menue, schnell erledigt.
Ein Absacker an der Pool Bar auf der Dachterrasse soll es noch unbedingt sein. Als wir oben ankommen, ist es stockduster und die Bar geschlossen – und Ingo sagt noch, passt auf, da ist Wasser..., aber Gerhard war von einem Bad im Pool nicht mehr abzuhalten.
So gehen wir heute ohne unseren Schlaftrunk ins Bett.