Reisebericht Casablanca 2004 (3)
3. Tag - Mittwoch, 18.08.04
1. Tagesetappe 211,9 NM
LEVC (Valencia) LEAM (Almeria)
2. Tagesetappe 111,7 NM
LEAM (Valencia) LEMG (Malaga)
3. Tagesetappe 156,2 NM
LEMG (Malaga) GMTT (Tanger)
Ein außergewöhnlicher Tag!
Heute wollen wir Casablanca erreichen!
Flugplanung auf dem Fußboden, ausgebreitete Karten überall, Frequenzen werden abgeglichen, Flugdurch-führungsplan erstellt, Anflugkarten kopiert, Wetterbe-ratung eingeholt: CAVOK – endlich.
Start in Valencia und wir requesten direct Malaga (LEMG) – von wegen, die Spanier sind nicht so flexibel wie die Franzosen und schicken uns an die Küste: follow the coastline! Somit müssen wir unsere Planung revidieren und einen Tankstopp in Almeria (LEAM) einlegen.
Auf dem Weg dahin karge Landschaft und Gewächshäuser über Gewächshäuser, in denen Gurken und Tomaten für den europäischen Markt gezogen werden. An der Küste, Costa del Sol, sehen wir die Bettenburgen der Pauschalurlauber und sind froh, diese hinter und unter uns lassen zu können. Zwischendurch gegenseitiges Fotoshooting mit mehr oder weniger großem Zoom. In Almeria superschnelle und professionelle Abfertigung, also tanken, Toilette und gleich weiter. Nach gut einer Stunde Flugzeit Landung in Malaga – tanken, Planungen abgleichen, Flugplan aufgeben und los. Wir sitzen in den Fliegern, die Sonne brennt und wir schwitzen unter unseren angelegten Schwimmwesten. Die ETTA und die GQ bekommen etwas Vorsprung, requesten bei Malaga Ground start-up and taxi... und bekommen keine Freigabe! Warum nicht? Die Spanier erwarten einen Flugplan für jedes Flugzeug, akzeptieren die Formation (AD mit der GV und ETTA mit der GQ) nicht.
Also raus aus dem Flieger, telefonieren, diskutieren, usw. die Zeit vergeht und wir sind alle ganz schön angesäuert, AIS sagt, Flugpläne sind o.k., Ground sagt nein und will seinen Supervisor fragen. Die Minuten verrinnen – Ground weist uns bei der erneuten Nachfrage nach dem Sachstand zurecht: „Do not call me again, I will call you back!!“
Nach einer Stunde schwitzen, ärgern und warten hat man sich offensichtlich geeinigt – wir dürfen starten. Nichts wie weg hier! Die ETTA wurde von Malaga TWR für diesen Flug jetzt umgetauft und bekommt nun das Call-Sign ETAA. Lutz hatte seine Probleme damit und übte im Flugzeug (leise) ETAA, ETAA...... Die Übergabe von Ground zum Tower klappt gerade noch, aber als wir die Platzrunde verlassen haben, reagiert kein Controller auf unsere Funkversuche – wir streichen Malaga von unserer Landeliste!
Übers Wasser in 5000ft Richtung Afrika (Tanger VOR), wir lassen Gibraltar rechts von uns liegen, bestaunen die Meerenge, den Felsen und die vielen Containerschiffe, die aufgereiht wie an Perlenschnüren auf ihre Passage zum Atlantik warten.
Wetter ist gut, leichter Dunst, warm, Sonnenschein und leichter Gegenwind.
Jeder checkt seine Triebwerksinstrumente doppelt und dreifach und hört auf das Motorengeräusch – nur gut, dass die Motoren nicht wissen, dass sie über Wasser fliegen.
Aber es ist und bleibt alles im grünen Bereich und nach 40 Minuten haben wir Marokko erreicht! Wir sind tatsächlich in Afrika! Tanger Approach reagiert auf unseren Anruf und fragt nach unseren Absichten! Natürlich Casablanca.
Die (akustisch) junge Dame erscheint uns sehr aufgeregt und weist uns an, die Stadt Tanger weiträumig zu umfliegen. Alle fünf Minuten will sie eine Positionsbestimmung von uns haben.
Der Zwangsaufenthalt in Malaga hat uns enorm Zeit gekostet, Thomas rechnet und rechnet, aber wir müssen feststellen, dass wir Casablanca vor sunset nicht mehr erreichen werden – obwohl Marokko Ortszeit zwei Stunden früher, also UTC, ist. Wir entscheiden uns, unser Alternate, Rabat, anzufliegen.
Die Controllerin versteht unsere Absichten nicht so richtig; sie scheint nur besorgt, dass wir Tanger nicht überfliegen. Also drehen wir 13 nm vor Tanger VOR nach Süden ab, sehen die Umrisse der Stadt weit im Dunst liegen, als sich plötzlich ein französisch sprechender Mann in den Funkverkehr einschaltet. Wie sich herausstellt, ist es der Chefcontroller von Tanger, der selbst in seinem Flugzeug in 4500ft an der Küste unterwegs ist.
Er gibt uns gute Hinweise zum weiteren Verfahren und auch das Wetter von Rabat – allerdings rät er uns von einer Landung in Rabat ab, da dort sehr schnell dichte Seenebel entstehen und den unmittelbar am Wasser liegenden Flugplatz in Watte packen. Also nichts für Sichtflieger.
Bei dem ganzen Hin und Her verlieren wir unser Lead-Flugzeug kurzzeitig von der Frequenz und sind alle sehr erstaunt, als die AD abrupt nach Westen abdreht und aufs Wasser hinausfliegt. Da wir aber alle in Sichtkontakt waren, denken wir nicht, dass unser 2. Alternate New York sein soll...(Wolf meint nun will Thomas wohl nach Amerika).
Nachdem wir uns wieder alle im Äther versammelt haben ist klar, wir landen in Tanger (GMMT), der Chef hat´s gerichtet.
Wir werden ordentlich an unseren Abstellplatz gelotst, man verspricht uns Benzin für den nächsten Tag, freundliche Einreisebeamte stehen bereit, der Zoll und andere Offizielle sind nur für uns da und wir verlassen den Flugplatz. Der Muezzin ruft zum Abendgebet – wir sind im arabischen Teil Afrikas !
Regina waltet ihres Amtes und besorgt uns Taxi, Unterkunft und Essen. Im Hotel entpuppt sich der Otis Aufzug als etwas schwächlich – Ingo, Jens, Wolf und Regina sitzen fest. Der Aufzug bewegt sich keinen Millimeter und die Türen gehen auch nicht mehr auf. Rettung von außen funktioniert ebenfalls nicht, allerdings kommt genug Atemluft durch den Türspalt. Wolf erbarmt sich und findet nach einigen Minuten den richtigen Sperrhaken zum Öffnen der Türen. Eine echte Teambildungsmaßnahme. Danach finden wir an unserem ersten Tag in Afrika in einem guten, auch von Einheimischen besuchten, marokkanischen Restaurant Platz und lassen den Tag ausklingen (22.45 Uhr lokal, 00.45 unserer Zeit)– nicht ohne noch mal auf die sturen Spanier in Malaga zu schimpfen. Wir bekräftigen, Malaga von unserer persönlichen Landkarte zu streichen. Die Nacht im Hotel ist für einige nicht besonders angenehm. Die Fenster schließen nicht, die Türen sind von innen nicht zu verriegeln, die Hellhörigkeit lässt jedes auch noch so leise Geräusch vom Nachbarzimmer ans Ohr – es wird behauptet, Thomas habe seinen Bargeldbestand in ganz besonderer Gefahr gesehen.
